Plastikwahn – was kann ich dagegen tun?

Nachchdem es im Februar sehr still auf dem Blog war, möchte ich jetzt wieder mehr posten.

Das Thema Müll beschäftigt mich sehr und ich durfte in den letzten Monaten erfahren, wie vor allem Plastikmüll recht einfach und in großen Mengen reduzierbar ist. Deshalb möchte ich Euch hier, nachdem ich heute morgen das folgende schreckliche Video gesehen habe, einige Möglichkeiten vorstellen, wie ihr selbst euren Alltag plastikreduziert gestalten könnt.

Zunächst aber das Video…

Das Plastikproblem ist so unglaublich weit fortgeschritten, dass Experten eine düstere Prognose wagen: 2050 wird es mehr Plastik in den Ozeanen geben als Fische. Uff.

Wenn Euch diese Bilder und der tägliche Spaziergang durch vermüllte Straßen, Parks u.Ä. genau so erschüttern wie mich, dann lest nun bitte ganz aufmerksam die folgende Auflistung an Möglichkeiten der Plastikvermeidung. Vieles ist wirklich viel einfacher umzusetzen, als man denkt und erfordert nur wenig Anpassung. Überlegt Euch am besten erstmal, welche zwei bis maximal drei Sachen ihr realistischer Weise schnell umsetzen könnt und wenn das gut klappt, kann man immer mehr dazunehmen. So überfordert man sich selbst nicht und wird eher auf lange Sicht dabeibleiben.

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Ungeduldige können ganz runter scrollen, da ist ein Großteil in einer Grafik zusammengefasst. Für mehr Infos und Tiefe:

1. Trinkwasser. Wir haben das große Glück in einem Land zu leben, in dem das Trinkwasser sicher und lecker ist. Warum also immer Wasserkisten schleppen, wenn man doch einfach eine wiederbefüllbare Flasche (bevorzugt aus Glas oder rostfreiem Edelstahl) am Wasserhahn auffüllen kann? Das geht zu Hause sowie unterwegs. Für unterwegs gibt es inzwischen sogar die Initiative Refill Deutschland Bildschirmfoto 2018-03-07 um 13.50.05
Ich frag aber einfach in Cafés und Restaurants oder fülle die Flasche auf WCs auf. Ich weiß, dass Qualität und Geschmack von Leitungswasser je nach Region variieren, da gibt es für die empfindlicheren Geschmacksnerven aber auch Tipps und Tricks. Man könnte:
a) sich für zu Hause einen Wasserfilter kaufen (allerdings sind Brita-Filter u.Ä. ebenfalls mit viel Plastikmüll verbunden)
b) einen Filter in die Küchenspüle einbauen lassen
c) eine wiederverwendbare Flasche mit eingebautem Filtersystem kaufen
d) eine große Packung Natron kaufen und einfach immer eine Prise mit in die Flasche geben, das verbessert den Geschmack
e) sich aktivierte Kohlesticks anschaffen (etwas fragwürdig, da sie einen langen Weg hinter sich haben) und in der Wasserflasche haben. Das wirkt wie ein Filter und je nach Stick muss man den nur alle 1-3 Monate austauschen.
Und wer ausschließlich Sprudel trinkt, könnte sich einen Sodastream anschaffen.
ACHTUNG: Wer in einem alten Haus mit Bleirohren wohnt, sollte das Leitungswasser NICHT trinken. Woher wisst ihr, ob das der Fall ist? Meistes kann man das schmecken und wenn ihr den Verdacht habt, solltet ihr euch an das Gesundheitsamt wenden. Da kann dann eine Probe veranlasst werden.

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2. Nehmt Eure eigenen Einkaufstaschen mit! Das ist wirklich so so so einfach! Habt einfach immer einen Beutel in Eurem Rucksack oder Eurer Handtasche, damit Ihr auch bei spontanen Einkäufen darauf zurückgreifen könnt. Bei geplanten Großeinkäufen einfach mal ein zwei BEutel mehr mitnehmen, als man denkt je gebrauchen zu können. Auch wenn in den meisten Supermärkten nur noch Papiertüten angeboten werden, ist das Mitbringen der eigenen Tasche die deutlich bessere Alternative. Denn Papiertüten haben auch einen fetten Fußabdruck und werden meist nur einmal benutzt. Lassen wir das doch einfach.

3. Falls Du zu den Menschen gehörst, die gerne auf dem Weg noch schnell einen Kaffee oder Tee trinken, dann leg dir einen hochwertigen, wiederverwendbaren Becher zu. In Deutschland werden AM TAG mehr als 7 MILLIONEN Kaffee-Einwegbecher benutzt. Die werden dann nach spätstens 15 Minuten nach einmaliger Benutzung weggeschmissen. Das können wir doch besser! Inzwischen füllt fast jede Bäckerei, fast jedes Café Deinen selbst mitgebrachten Becher mit Deinem Lieblingsheißgetränk und meistens kannst Du dabei auch noch Geld sparen! Für Heidelberg gibt es eine Liste, die die Läden aufzeigt, die Rabatte für selbstmitgebrachte Becher geben. Schau doch mal, ob es das für Deine Stadt auch gibt?
ACHTUNG: Fall nicht auf sogenannte „grüne“ Alternativen rein. Ein Einwegbecher bleibt ein Einwegbecher, egal aus welchem Material er hergestellt ist. Auch wenn Dein Becher sich anfühlt wie Pappe hat er innen eine Plastikbeschichtung, damit Dein Getränk auch im Becher bleibt. Das ist richtig beschissen zu recyclen, da sich die zwei Materialien quasi nicht voneinander trennen lassen.

4. Der Obst- und Gemüseeinkauf. Kaufe nur noch Obst und Gemüse, das UNVERPACKT ist. Das gibt es auch bei Discountern, ganz sicher aber auf dem Markt und in kleinen Bioläden. Ist das nicht voll teuer? NEIN! Dadurch, dass Du die Sachen unverpackt kaufst, kaufst Du genau die Menge, die Du brauchst –> dadurch wird Dein Einkauf sogar günstiger. Wer zur Hölle kann 1,5 Kilo Karotten essen, bevor sie schlecht werden? Sei einfach ein bisschen kreativ und flexibel, was die Zutaten angeht, dann ist das die einfachste Umstellung überhaupt.

5. Nudeln, Reis, Nüsse, Linsen und Ähnliches ist schwer unverpackt zu bekommen. Herkömmliche Supermärkte bieten das kaum an. Doch: Unverpackt Läden breiten sich in Deutschland rasant aus und sind eine ganz wunderbare Alternative. Hier in Heidelberg gehe ich zwei bis drei Mal im Monat zu Anna’s Unverpacktes, bewaffnet mit Stoffbeuteln und Gläschen, und kaufe Nudeln, Nüsse, Linsen, Gewürze, Haferflocken, Schokolinsen usw. usf. völlig unverpackt und stressfrei ein. Diese wahnsinnig umfassende Liste von DER Zero Waste Pionierin Deutschlands zeigt Dir, ob es auch in Deiner Stadt einen Unverpacktladen gibt. Schau doch mal rein!

6. Take-Away-Essen ist weder gut für Dich noch für die Umwelt. Eine Mahlzeit kommt meist mit einem großen Berg Plastik- und Alumüll. Ja, ich weiß, manchmal hat man keine Lust zu kochen. Dann gibt es folgende Möglichkeiten:

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a) Man sucht sich ein paar Restaurants in der Nähe, die gerne auch Deine eigens mitgebrachten Behälter mit Essen befüllen. (Ich hab z.B. einen ganz wunderbaren Inder um die Ecke, der günstig und lecker ist und sich immer tierisch freut, wenn ich meine eigenen BEhälter mitbringe, siehe Bild–>)
b) Man geht essen. As easy as that.

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7. Leider ist es vielen Restaurants und Cafés inzwischen völlig normal zu jeglichen Getränken Strohhalme zu servieren. Was soll das denn? Zu 90% ist das völlig unnötig. Achte also von nun an darauf, dass Du jedes Mal, wenn Du ein Getränk bestellst (ja, auch Kaffee), freundlich darum bittest, dass das Getränk ohne Schmuck (besonders bei Cocktails beliebt) und ohne Strohhalm serviert wird. Wenn Du denkst, dass Strohhalme ja wohl das geringste Problem darstellen, dann empfehle ich dringend die Doku „Straws“ anzusehen. Eine winzige Veränderung im Alltag mit beträchtlicher Wirkung! Wer gerne mit Strohhalmen trinkt, der schaffe sich einen aus Glas, Edelstahl oder Bambus an- ja, mein Ernst. Die gibt’s inzwischen viel zu kaufen, sie halten ewig und sehen dazu noch hübsch aus. Einfach in einem Säckchen in der Handdtasche dabei haben.

8. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, den eigenene Plastikmüll zu reduzieren. Wir sind z.B. von Flüssigwaschmittel auf Pulver umgestiegen, das wir nun in der größtmöglichen (Papp-)Verpackung kaufen. Wer die Zeit und Muße hat, kann Vieles im Haushalt auch selbst herstellen, doch dazu schreibe ich gerne mal einen ganzen Blogpost. Viele Rezepte findet ihr besipielsweise bei Smarticular . Wer im Winter Hustenbonbons braucht, greife zu der Packung, in der nicht jedes einzelne Bonbon verpackt ist. Wer gern Schoki isst, greife ebenfalls lieber zu Tafeln als zu, sagen wir mal Schokobons usw. usf.

Generell empfehle ich über eine Woche hinweg, den eigenen Müll zu beobachten. Auch wenn das jetzt gaga klingt, hilft es total, einfach von allem, das man wegschmeißt (auch unterwegs), ein Foto zu machen, um dann anhand der Fotos am Ende der Woche feststellen zu können, wo man Problemstellen hat. Dann kann man sich Gedanken zu Alternativen machen.

Lasst uns gemeinsam gegen den Plastikwahn vorgehen. Jede/r im Kleinen, und so wie er/sie kann, nicht mehr, aber auch auch nicht weniger.

Jetzt nochmal für die Ungeduldigen oder auch als Zusammenfassung:

Gründe, um den Gebrauch von Plastik zu reduzieren:

9-reasons-to-refuse-single-use-plastic_square

Einfache Wege, den eigenen Plastikkonsum zu minimieren:

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Und zuletzt noch ein Filmtipp, den ich in meiner neuen Rubrik „Must See“ genauer beschreiben werde: Plastic Planet.

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Kategorien Blog

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